Donnerstag, 3. Dezember 2009

Zur Erinnerung

In meinem beinah missionarischen Eifer, mit dem ich Horizonterweiterung betreibe, möchte ich den geneigten Leser daran erinnern, dass heute vor 25 Jahren das Union Carbide-Werk im indischen Bhopal die bis dahin schlimmste Chemie-Katastrophe der Geschichte ausgelöst hat.

Freitag, 27. November 2009

Klappe, die Zweite

Der Deutsche Ethikrat hat sich jüngst zu einer Stellungnahme hinreißen lassen, die das bisweilen etwas angestaubt wirkende Gremium mit beinah brachialer Gewalt wieder in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit gerückt hat. Man möchte fast von einer gelungenen Marketing-Aktion sprechen. Leider aber trifft es das nicht.

Er tut es tatsächlich: der Ethikrat fordert die Abschaffung von Babyklappen und anonymen Geburten. In der Begründung heißt es, dass die Wahrnehmung dieser Angebote durch Mütter in Not die Rechte des Kindes auf Wissen um seine Herkunft verletzt. Dem wird gegenüber gestellt, dass die Wirksamkeit der Babyklappe ohnehin kaum umfassend sein kann, da nicht alle Mütter, die ihre Kinder nicht selbst aufziehen wollen, erreicht würden. Wiederkehrende Fälle von Kindstötungen belegen dies.

Dass Babyklappen und anonyme Geburten nicht ausreichen, um alle Kinder aus ihrer Notlage zu retten, steht außer Frage. Sie sind lediglich ein weiteres Mittel in einer Kette von Hilfsmaßnahmen, die dem Wohl von Mutter und Kind dienen. Neben so vielen anderen Mitteln auch. Aber anstatt die (nicht umfassende) Wirksamkeit der Babyklappe als Grund ihrer mangelnden Existenzberechtigung anzuführen, sollte man sich lieber die Frage stellen, welche Zielgruppen man mit der Abschaffung der Klappen und der Möglichkeit der anonymen Geburten denn noch von einer Hilfeleistung ausschließt.
Man darf in dieser Diskussion niemals die Augen davor verschließen, dass Frauen, die diese Angebote wahrnehmen, für sich und ihr Kind keinen anderen Ausweg aus einer physisch und psychisch belastenden Situation sehen. Vielleicht stehen wirtschaftliche Erwägungen hinter der Entscheidung. Häufiger hingegen dürfte nicht ertragbarer Druck des sozialen Umfelds der Auslöser für eine so radikale Entscheidung sein. Der (gefühlten) Ausweglosigkeit der betroffenen Frauen werden die Alternativangebote des Ethikrates nur in unzureichendem Maße gerecht.

Mich erinnert die Argumentation des Ethikrates irgendwie an die Debatte um den §218. Auch hier wurde das Kindswohl als ultimatives Argument angeführt. Und das in einer Diskussion, die von Männern über Kinder geführt wurde. Über die Köpfe der Frauen hinweg, die damit zu reinen Gebärmaschinen degradiert wurden. So weit geht der Ethikrat (Frauenanteil ca. 30%) in seiner Argumentation freilich nicht. Dennoch stellt auch er die Rechte des Kindes und damit das Kindswohl über das der Mutter. Überspitzt ausgedrückt: Der Nachwuchs ist wichtig. Die Frau und Mutter hat damit ihre Pflicht der Gesellschaft gegenüber erfüllt und darf gerne hinten runter fallen. Diese Herabwürdigung der Frauen gegenüber dem von ihnen geborenen Nachwuchs ist ethisch deutlich fragwürdiger als die Babyklappe selbst.

Montag, 19. Oktober 2009

Die Schweinegrippe auf der Farm der Tiere

Bisweilen frage ich mich, was die ganze Aufregung eigentlich soll. Der H1N1-Impfstoff Pandemrix enthält Wirkverstärker und ein quecksilberhaltiges Konservierungsmittel. Gut. Und weiter? Ein Blick in die Liste der Bestandteile des Wirkverstärkers AS03 enthüllt verblüffend Triviales: Squalen (das jeder Mensch über dessen 0,1-0,7%igen Anteil an Olivenöl in deutlich größeren Mengen aufnimmt aufnimmt als über eine Impfung), Polysorbat 80 (auch bekannt aus Lebensmitteln als Emulgator 433) und Tocopherol (ein Sammelbegriff für die vier bekanntesten Vitamin-E-Varianten). Schockiert?
Fairerweise sei hinzugefügt, dass die Verabreichung von Squalen in Form eines Impfstoffs unter Umständen zu Nebenwirkungen führen kann. Gerade bei Schwangeren, Kindern und anderen Risikogruppen kann das zu einer ungewollten Gefährdung führen und sollte ausgeschlossen werden.

Die Impfstoffbeschaffung der Bundesregierung erfolgte zeitlich bereits deutlich vor jenem Zeitpunkt, an dem absehbar war, in welchem Umfang die Versorgung mit Impfstoffen notwendig werden würde und welche Produktionskapazitäten dafür bereitgestellt werden müssten (Wir erinnern uns: um ohne Wirkverstärker auszukommen, muss eine hinreichend hohe Anzahl an Viren zur Verfügung stehen. Diese aber zu züchten ist nicht ganz so einfach). Folgerichtig zu einem Zeitpunkt, zu dem noch keine Diskussion um die umstrittenen Wirkverstärker wogte.
Zudem kann man getrost und mittelbar polemisch davon ausgehen, dass das Bundeskabinett (genau genommen das Bundesinnenministerium) kaum über die nötige Kompetenz verfügt, die Inhaltsstoffe der einzelnen Präparate zu beurteilen und ihre politische Tragweite zu erfassen. So gesehen ist die Beschaffung des Celvapan für die Bundesbeamten vermutlich wirklich lediglich eine vor Monaten gefallene wirtschaftliche Entscheidung.

Unglücklich ist sie deswegen dennoch. Im Zuge der aufgekommenen – und in meinen Augen streckenweise völlig überzogenen – Diskussion um die Wirkverstärker des Pandemrix-Präparats kann die Veröffentlichung solcher Informationen nur auf eine Weise enden: mit einem Aufschrei der Empörung ob der augenscheinlichen Ungleichbehandlung. Die medialen Kollegen tragen ein nicht unerhebliches Scherflein dazu bei.
Damit ist weder der Impfkampagne selbst geholfen noch den Menschen, die jetzt vielleicht nicht impfen gehen und es aber dennoch brauchen. Geschickter wäre es gewesen, schon in den ersten Zügen der Debatte den Impfstoff Celvapan in aller Stille den Ländern zur Versorgung von Schwangeren und Kindern zur Verfügung zu stellen und sich selbst Pandemrix zu beschaffen. Aber auch in punkto Feingefühl war Dr. Schäuble noch nie mit einem besonderen Talent gesegnet.

Montag, 28. September 2009

Rein rechnerisch...

...kommt mir das hier durchaus schleierhaft vor:

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wurde zum Stimmenkönig Bayerns. Der CSU-Politiker erzielte in seinem Wahlkreis Kulmbach 68,1 Prozent der Erststimmen und löst damit den Straubinger Bäckermeister und Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken ab. Der Niederbayer hatte 2005 noch 74,6 Prozent der Wähler hinter sich gebracht, jetzt waren es noch 55,4 Prozent.

In allen anderen Belangen übrigens auch.

Sonntag, 27. September 2009

Vom Verdienen und vom Verdienten

Es war am U-Bahnhof Kurfürstenstraße, als ich die Ergebnisse der 18:15-Uhr-Hochrechnung erfuhr. Mein Blick glitt dabei über den beinah verwaisten Bahnsteig und blieb an einem Mann hängen, der in etwa genauso unmotiviert auf einer der Wartebänke saß, wie sich der beste Ehemann von allen am Telefon anhörte: Der Blick starr ins Nirgendwo gerichtet, den Kopf auf der Hand gebettet. Die ganze Gestalt drückte eine umfassende Schwermut aus. Es war eine so treffende Allegorie. Und so bitter.

Jedes Land kriegt, was er verdient. So schwer diese Pille zu schlucken ist, sie ist der Schuh, den wir uns anziehen müssen. Das deutsche Wahlvolk hat sich für noch mehr Überwachung ausgesprochen, für eine Zwei-Klassen-Krankenvorsorge, für Studiengebühren und so viele unangenehme Dinge mehr. Vier Jahre lang bleibt uns nichts mehr als zu hoffen, dass die FDP ihre Wahlkampfziele nicht durchsetzen kann. Vier Jahre lang bleibt uns zu hoffen, dass Schäuble nicht noch paranoider wird als er ohnehin schon ist. Vier Jahre lang bleibt uns zu hoffen, dass die Länger in ihrer Hochschulpolitik weit mehr Augenmaß beweisen als das beispielsweise in NRW oder Bayern der Fall war. Möge der Schaden, den die neue Bundesregierung dem Land zufügt, nicht allzu groß sein. Möge er reversibel sein.

Für alle, die ermutigende Worte erwartet haben: heute nicht mehr. Später dann. Vielleicht morgen.