Dienstag, 20. September 2011

Wer sind eigentliche "diese Piraten"?

Es ist zutiefst unterhaltsam, was in den letzten zwei Tagen über die Piratenpartei berichtet wurde, nachdem sie ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen sind. Die alles beherrschende Frage: Wer sind die Piraten?
Hier eine Auswahl der Antworten:

Viel Spaß bei der Lektüre.

Donnerstag, 3. März 2011

Der talentierte Herr Guttenberg

Eigentlich bin ich kein sonderlicher Freund von Fefe. Zu reißerisch, zu tendentiös. Immerhin sei ihm zugute zu halten, dass er diese Form der Überspitzung ganz bewusst als Stilmittel nutzt. Aber das nur am Rande.
Fefe hat wunderbar knapp formuliert, wozu ich meist längere Ausführungen brauchte:
Es geht ja gerade die (Dolchstoß-)legende um, dass der Guttenberg zwar bei seiner Doktorarbeit betrogen hat, aber als Politiker sei er ja talentiert.
Wenn man dann mal nachfragt, was er eigentlich geschafft hat, das ihm diesen Ruf einbringt, kommt Stammeln, Schweigen, und dann zeigen die Leute gerne auf die Bundeswehrreform.
Nun, wenn man da mal einen genaueren Blick drauf wirft, sieht man recht schnell, dass er da auch gescheitert ist.

Weil ich es schöner und treffender einfach nicht mehr ausdrücken kann, lasse ich das einfach mal so stehen.


Und ein Nachtrag (auch hier Dank an Fefe): Der Spiegel äußert sich zur Dolchstoßlegende. Gefällt.

Dienstag, 30. November 2010

Die unmögliche Tatsache

Der Bundesverteidigungsminister hat zum ersten Mal die neue Gefechtsmedaille der Bundeswehr verliehen. Der zeremonielle Akt, dem 11 der Geehrten nicht mehr persönlich beiwohnen konnten, vollzog sich weitgehend ohne große Berichterstattung.

Nun allerdings verblüfft mich ein Interview mit dem Historiker Detlef Bald, das jüngst auf der Internetplattform der Tagesschau erschienen ist. Mit wenig Wohlwollen kann man den Kern der Aussagen Balds herunter brechen auf den Spruch „es kann nicht sein, was nicht sein darf“.

So ist die neue Auszeichnung ein „Zeichnen zunehmender Militarisierung“. Nur: was ist eine „Militarisierung“? Und muss das, was sich innerhalb der Bevölkerung bzw. der Streitkräfte abzeichnet und unter dem Begriff zusammengefasst werden kann, wirklich schlecht sein angesichts der sich deutlich veränderten Einsatzbedingungen?

Bald wirft mit Allgemeinplätzchen à la „Diese Auszeichnung, man habe sich aktiv in einem Gefecht ausgezeichnet, ist schon etwas, was sich von den bisherigen Ehrungen unterscheidet.“ um sich, deren Inhaltsleere der Einschätzung des aktuellen Wetters („ist schon etwas, das sich von gestern unterscheidet“) gleichkommt.
Und schlussendlich gilt auch hier: Die Bundeswehr hat sich verändert und verändert sich weiterhin. Eine Anpassung der Bandbreite an Ehrungen für Soldaten ist da lediglich eine Anpassung an die Realitäten des Einsatzsspektrums. Natürlich ist dieses Spektrum (wie der Einsatz im Ausland generell) umstritten. Aber ein Plädoyer für eine Stagnation in der Pflege von Orden und Ehrenzeichen klingt mehr nach Verdrängung der politischen und militärischen Realitäten als nach einer kritischen Auseinandersetzung mit den Formen der Militarisierung und deren Folgen.

Heuchelei allenthalben

Und weiter dreht sich die Spirale der Empörung über die Enthüllungen von Wikileaks über die Einschätzungen von (deutschen) Politikern durch amerikanische Diplomaten. Von einem grundlegenden Wandel der diplomatischen Beziehungen ist da die Rede. Von tiefen Rissen im transatlantischen Verhältnis.

Schwachsinn.

Ich glaube mich nicht weit aus dem Fenster lehnen zu müssen, wenn ich sage, dass mit Sicherheit jeder diplomatische Dienst ungeschönte Einschätzungen über die politischen Amtsträger im befreundeten und weniger befreundeten Ausland anfertigt und an seine Regierung weiterreicht. Das ist eine Grundvoraussetzung für außenpolitische Arbeit. Zu glauben, dass Diplomaten ob ihres geschliffenen Tones nur Freundliches über ihr Gegenüber zu berichten hätten, ist der Gipfel der Naivität.

Bemerkenswert ist die ganze Chose nur, weil hier aufgedeckt wurde, was sonst für den internen Gebrauch bestimmt war. Das ist peinlich für die US-Amerikaner, weil sie die ihren hohen Ansprüchen an Sicherheit gerade in Bezug auf administrations-interne Daten nicht gerecht werden konnten. Aber jedwede Empörung darüber hinaus gründet sich entweder auf Heuchelei oder auf Dummheit.

Montag, 29. November 2010

Tiefere Wahrheiten in Wikileaks

Die Welt ist in Erregung. Denn Wikileaks, der erklärte Gegner aller terroristenfeindlich gesonnener Staaten der westlichen Welt, hat wieder einmal getan, was es immer tut. Es hat geheime und vertrauliche Dokumente veröffentlicht. In der deutschen Presse zerfasert man sich Finger und Lippen mehrheitlich über die Einschätzung deutscher Politiker aus der Sicht amerikanischer Diplomaten. Angeblich würden die US-Amerikaner damit die Beziehungen zu Verbündeten gefährden.
Also mir persönlich sind sie heute nur sympathischer geworden.


So steht beispielsweise über den Bundesaußenguido Westerwelle zu lesen:
Er wird, wenn er direkt herausgefordert wird, vor allem von politischen Schwergewichten, aggressiv und äußert sich abfällig über die Meinungen anderer Leute.


Über Schäuble wird als „zorniger, alter Mann“ gesprochen. Seehofer gilt als „unberechenbarer Politiker mit begrenztem Horizont“. Niebel gilt auf seinem Posten als „schräge Wahl“.

Merkel wird beschrieben als „selten kreativ“ und risikoscheu. Aber auch als „methodisch, rational, […] pragmatisch“ und „beharrlich“.

Vermutlich fragt sich der geneigte Leser genauso wie ich, worin genau jetzt die gefährlichen Wahrheiten bestehen? Ich suche sie zumindest noch.
Risikoreich könnte in meinen Augen lediglich sein, dass Westerwelle im Angesicht dieser Herausforderung seiner persönlichen Größe (kann man das überhaupt so nennen?) irgendetwas wirklich Dummes tut. Zuzutrauen wäre es ihm.

Aber um den Beitrag nicht mit negativen Untertönen zu beenden, möchte ich noch ein Kompliment zitieren, dass die Zuträger von US-Botschafter Murphy zur Person der Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger haben notieren lassen. Sie gelte als Kontrahentin beim Datenschutz, die man „aggressiv angehen“ müsse.
Ist das nicht toll?


Für mehr Details zu einzelnen Personen des politischen Lebens siehe hier.

Donnerstag, 19. August 2010

In Brandenburg...

Die CDU-Kandidatin für den Posten des Potsdamer Oberbürgermeisters bewusst Mut. Nicht wirklich Hirn. Aber Mut.



Und sie erinnert mich an folgende lyrische Zeilen:
In Brandenburg, in Brandenburg
ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt,
was soll man auch machen mit 17, 18 in Brandenburg?

Gute Frage.
Danke Rainald.

Donnerstag, 12. August 2010

Diskriminierung in vielfältiger Form

Diesmal ist es der Online-Ableger der Süddeutschen, die mich zu einem Beitrag hinreißt, der nur deswegen nicht schneller zustande gekommen ist, weil ich mich vom Kopfschütteltrauma erholen musste.

Dort heißt es nämlich, dass der Bund überlegt, Chipkarten für Kinder von Hartz-IV-unterstützten Eltern einzuführen, auf denen ein Guthaben gespeichert wird, das ihnen (also den Kindern) die Teilnahme am kinder-kulturellen Leben (beispielsweise dem Zoo) ermöglicht. Das klingt für mich nach einer guten Sache. Immerhin wird auf diese Weise der Ausgrenzung eben jener Kinder aus der Lebenswirklichkeit vieler (besser situierter) Gleichaltriger vorgebeugt.

Aber, man halte sich fest, der Hauptgeschäftsführer des paritätischen Wohlfahrtsverbandes sieht das irgendwie ganz anders. Für ihn ist die Ausgabe der Karte an Kinder von Hartz-IV-Empfängern eine (Zitat) "Diskriminierung und Stigmatisierung".
Bitte erkläre mir das mal einer: Wenn diese Kinder nicht in den Zoo gehen können, ist das eine Stigmatisierung. Wenn sie es dann können aber auch?

Sorry, ich versteh's nicht.

Light Graffiti

Es hat mich heute den ganzen Tag nicht losgelassen und deshalb will ich es Euch nicht vorenthalten.


Gefunden habe ich dieses Schmuckstück nebst anderen großartigen Bildern auf dem Schoener-waers.de-Blog.
Gucken lohnt sich.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Umgang mit dem Burka-Verbot

Die französische Nationalversammlung hat dem Burka-Verbot zugestimmt. Während ich dazu aber bisher nur warme und wirkungslose Worte gefunden habe, hat Nase-Bohren.de eine ganz pragmatische Ansicht zur Problematik der Durchsetzung des Verbots gefunden:



Insofern: halb so wild.

Dienstag, 13. Juli 2010

Feminismus andersherum betrachtet

Der Mädchenblog bietet Frauen wie mir viel Gelegenheiten, mich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen. Auch dort habe ich veröffentlicht, was ich meiner Leserschaft hier nicht vorenthalten will:

Und es gibt ihn doch: den männlichen Geburtspfleger. Der Onlineableger der Zeit berichtet über den einzigen Mann unter 17000 registrieren Hebammen in Deutschland. Ich fand das großartig (erinnert mich daran, dass ich vor der Geburt meines ersten Kindes nach Dresden ziehe).

Weit weniger großartig finde ich allerdings, dass sich der Hebammenverband so distanziert und kühl dazu äußert, dass man glauben könnte, der gute Mann verfolge mit seiner Berufswahl böswillige Absichten. Da werden Argumentationen bemüht, die mich in ihrer eklatant mangelnden Legitimation an dunkle Zeiten des frühen Feminismus denken lassen: Er wisse ja nicht, wie es sich anfühlt, ein Kind auf die Welt zu bringen und die meisten Frauen wünschten sich ja ohnehin eine geschlechtssensible Geburtsbegleitung.
Ganz abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass sich eine Entbindung immer gleich anfühlt, kann ich mit großer Sicherheit sagen, dass zwei Drittel der Hebammen in meinem Bekanntenkreis, (noch) nicht Mutter sind. Und was die Geschlechtssensibilität angeht: Dem Argument folgend dürfte kaum eine Frau einen männlichen Gynäkologen aufsuchen.

Die traurige Wahrheit ist vielmehr, dass sich einige Besitzstandswahrerinnen nicht damit abfinden können, dass auch Männer in Frauendomänen vordringen möchten (wie es andersherum ja mehr und mehr der Fall war und ist). Schlimm daran ist vor allem, dass sie damit alle Bemühungen einer vollständigen Gleichbehandlung der Geschlechter Steine in den Weg legen.
Irgendwie hatte ich von Frauen, die sich der Problematik nicht überall vorhandener Akzeptanz eigentlich bewusster sein sollten als Männer, mehr erwartet.