Sonntag, 17. August 2008

Olympische Spielwiese

Ja, ich weiß, es ist ein schon hinreichend genug besprochenes Thema: wie olympisch sind die Spiele in Peking eigentlich? Und wie erwartbar waren solche Randbedingungen wie nur eingeschränkte Pressefreiheit, Verhaftung von Protestwilligen (und ich spreche nur von Leuten, die für Veranstaltungen in den so genannten „Protestzonen“ eine Anmeldung einreichen wollten), mehr Schein als Sein bei der Eröffnungsfeier, ... Die Liste kann vermutlich beliebig weit fortgeführt werden und wenn ich ehrlich bin, möchte ich vielleicht auch gar nicht alles wissen.


Denn: ich werde weiter jeden Tag endlose Stunden vor dem Fernseher sitzen, zu nichts kommen und mich über jedes Gold dreimal, vier- oder fünfmal freuen; je nachdem wie oft die Szene von ARD und ZDF wiederholt wird (vermutlich werde ich noch in den kommenden Nächten von Britta Steffens Grinsen träumen). Und der Grund für meine nicht enden wollende Begeisterung für Sportarten, die ich sonst nie angucken würde: ich bin ein Freund des Sports und mir gefällt der olympische Gedanke, so unrealistisch er auch sein mag.

Ich werde die Spiele nicht boykottieren und die Sportler dafür bestrafen, dass das IOC mit seinen hehren Erwartungen versucht hat, Prophet zu spielen und damit auf die Schnauze gefallen ist. Erwartungsgemäß, füge ich hinzu. Ich werde die Spiele nicht boykottieren, weil die chinesische Regierung diesen Olivenzweig nicht angenommen hat, der ihr gereicht wurde. Erwartungsgemäß, füge ich auch hier hinzu. Ich fiebere mit den Athleten, genieße die Bilder und werde mir den ambivalenten Eindruck dennoch bewahren.

Ich hoffe sehr, auch das IOC hat daraus gelernt. Wenn nicht, dann lasst es mich nochmals kurz zusammenfassen: Jacques, mach Sport und keine Politik!

Bitte.

Donnerstag, 7. August 2008

Ohne Worte

Heute, des Tages über, stand ich, wie es den Gewohnheiten des gemeinen und zivilisatorisch geprägten Menschen entspricht, an einer Supermarktkasse. Genauer gesagt: es war die süßwarenfreie Variante. Die mit Alkohol und einem Zigarettenautomaten. Und weil ich ja nicht zum Zigaretten-rauchenden Anteil der Bevölkerung gehöre, habe ich selbigem bisher sträflich wenig Beachtung geschenkt. Bis... ja bis mich heute die mangelnde technische Versierung einer Kundin darauf aufmerksam gemacht hat, dass am oberen Ende dieser speziellen Ausführung des Automaten ein Feld aufleuchtete, auf dem stand: „Freigabe durch Kassiererin.“


...


Gedankenpause, Blick zur Kasse und Entsetzensstarre in einem.


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Man sollte meinen, in einem so hoch entwickelten Land wie der Bundesrepublik hat die schiere Existenz der Frau Schwarzer allein dafür gesorgt, dass das Anliegen der Emanzipation zumindest irgendwo tief im Unterbewusstsein einer jeden Person verankert sein sollte. Bayern sind entschuldigt.

Aber nein... wir sehen Frauen in Spül- und Putzmittelwerbung, auf dem Beifahrersitz von Autos und... ja, wo eigentlich noch? Vielleicht mal noch am Steuer eines Audi, aber damit erschöpfen sich die löblichen Ausnahmen auch schon wieder.

Was bitte soll denn aus den Konsumenten dieser Werbungen werden, wenn sie den Mann von der Arbeit heimkommen, das Auto steuern und die Frau saubermachen und kochen sehen? Antwort bleibt offen. (Sie würde mich nur frustrieren.)


Ich weiß, dass „Emanzipation“ ein viel beschworenes und mit vielerlei Klischees beladenes Wort ist. Einige davon mögen ja auch stimmen. Aber trotz aller gefühlter Dampfwalze in der Methodik hat sie ein Bewusstsein geschaffen, das von unserer schönen bunten (Werbe-)Welt nach und nach wieder weggewischt wird.

Ich möchte nicht wissen, wie sich die Vorreiterinnen der Frauenbewegung im (immer noch) himmelschreiend konservativen Deutschland bei diesen Anblicken fühlen. Genauso wenig wie ich wissen will, wie sich der Kassierer im Supermarkt meines Vertrauens heute gefühlt haben musste. Er war eindeutig männlich. Ob er die Freigabe gar nicht hätte vornehmen dürfen?

Freitag, 1. August 2008

Beitrag von der anderen Seite - Fred hängt ein Bild auf

Ich möchte dem geneigten Leser einen Beitrag nicht vorenthalten, der mich gestern an den Rand der Atemnot getrieben hat. Ein plattenbaubewohnender Freund schreibt über die Unbillen handwerklicher Tätigkeiten.
Viel Vergnügen!


Fred hängt ein Bild auf

Kennt Ihr das auch? Naja, vielleicht nicht so wie ich, aber der eigentlich simple Auftrag an den Heimwerker verursacht Kollateralschäden in Heim und an den Nerven…

Fangen wir am Anfang an: Die Erde war wüst und leer… kleiner Scherz, soweit müssen wir nicht zurück.
An einem vergangenen sonnigen und brütend heiß angekündigten Tag der letzten Woche beschloss ich, endlich einige liegen gebliebene Dinge zu erledigen. Dazu gehörte auch das Bilderaufhängen. Vier Bilder, um genau zu sein. Ein Geschenk von Fox in zarten Blautönen, zwei kleinere Bilder und ein handgemal… fertigtes Bild in Acryl auf Leinwand. Violett dominiert. Aber das ist Nebensache.
Frohen Mutes griff ich zu dem, was mir der Weih’mann gebracht hatte. Einen Bohrhammer Bosch PBH 2000 SRE. Wuar, mehr Power. Das Ding ist geil. Durch Beton geht er wie ein heißer Lötkolben durch Butter, die seit einer Stunde in der Sonne liegt.

Loch 1: 6mm … wamm, erledigt und vergessen.
Loch 2 und 3: 4mm … wamm, wamm, ansonsten siehe Loch 1.

Dübel rein, Haken rein, Bilder aufhängen, freuen, stolz präsentieren.
Ja, ich bin ein Mann, ich habe das mit meinen eigenen Händen und hammergeiler Technik erledigt. *grunzgrunz*

Halt, bevor es weitergeht, müssen wir vor den Anfang zurück.
Als wir hier eingezogen sind, haben wir uns bewusst für eine Selbstausbauwohnung entschieden. Erstens spart das Geld (und das ist ein sehr bedeutendes Erstens), zweitens kriegt man, was man bzw. Frau will, drittens kann man Verwandte und Freunde skrupellos ausbeuten (SCHERZ! Ich werde ewig dankbar sein, solange ich Tapeten, Laminat, Putz, Fliesen, Sockelleisten und ein Waschbecken begutachte), viertens tut man heimwerkerliche Dinge, die man sonst nie in seinem Leben getan hätte und fünftens können Mann und Frau mal was gemeinsam unternehmen.
Das Projekt beinhaltete Putzen im Flur und Wandfließen im Bad. Sprich wir kennen jeden Winkel in der Wohnung und wissen, dass wir genau einen rechten Winkel haben. Außerdem ist jede Tür ein Einzelstück und somit wertvolles Unikat. Was der Bundesrepublik ihre DIN, war der DDR ihr TGL, wobei mich der Verdacht beschleicht, das TGL hatte mehr empfehlenden denn verpflichtenden Charakter. Wie dem auch sei.

Der gute, mittlerweile 31 Jahre alte Plattenbau (bevor hier jemand lächelt, das Konzept wird derzeit als neue amerikanische Erfindung als Fertigteilhausbau auf dem Markt blendend verkauft, auch wenn dort langweiliger, aber massiver Beton durch ein leicht zu bearbeitendes und kaputtzumachendes Holz-Gipsgemisch ersetzt wurde) hat den „Standard“ WBS 70. Die „“ um den Standard sind Absicht. Jeder Winkel und jedes Maß sind absolute Einzelstücke, siehe oben.
Wichtig ist, dass der WBS 70 einen so genannten „I-Schacht“ hat, was für Installationsschacht steht. Also Wasser rauf und … gebrauchtes Wasser runter. Im Idealfall. Das bedeutete auch, dass die Badezimmer industriell vorgefertigt wurden, als eigenständiges Betonbauteil, fertig gefliest uns so weiter, bei dem nur die Anschlüsse stimmen mussten. Sprich der Klempner ließ den Azubi nicht die 50 kg Stahlbadewanne in den 6. Stock tragen, sondern schaute zu, wie ein Bad über das andere per Kran gestapelt wurde, verband die Anschlüsse – im Idealfall richtig – und die Sache war erledigt.

Sparfüchse und helle Köpfe, wie es DDR-Architekten nun mal waren, stellten fest, dass eine Wandstärke von 4,5 cm Beton für so ein Bad völlig ausreicht. Es hat keinen Außenwandkontakt, die angrenzende Küche kriegt eine eigene Wand, und ansonsten sind ja Wände drumrum. Tragen muss es auch nicht, denn es wird etagenweise mit den jeweiligen Decken- und Fußbodenträgern verbunden.
Nicht doof. Hätten Sie nicht an der Wand zum Flur gespart.

Ihr ahnt, was kommt. Der gemeinde Kragendübel hat eine Länge von genau 40mm. Das sind 4cm. Meine Wand ist genau 4,5cm also 45mm stark. Und mein Bohrhammer ist kraftvoll. Stark. Männlich.
Ihr denkt sicher. Haha, jetzt hat er durch die Wand gebohrt und kann nun entweder einen Schwerlasthaken mit ner Mutter kontern. Oder: Jetzt zieht es beim Duschen. Oder: Nicht schlimm, das kann die Dübelmasse wieder richten.
Falsch.
Ihr erinnert Euch an die eine Disziplin des Selbstwohnungsausbaus? Richtig, die Badwand fliesen. Dämmert es?
Ich höre noch die weisen Worte meiner weisen Frau: „Pass auf, dass Du nicht durchkommst“, in diesem Moment gibt es einen Schlag, es ertönt dieses typische Geräusch von keramischen Splittern (kennt ihr vielleicht vom Mittelaltermarkt, wenn ihr besoffen den handgetöpferten Metbecher habt fallen lassen) gefolgt von einem metallischen Scheppern.
Ein Viertel einer Fliese löste sich aus der Wand, stürzte in die Wanne und lag anklagend da.

Entgegen aller Wahrscheinlichkeiten, die sonst zum Heimwerkerdasein gehören, hatten wir doch noch eine Fliese aus der Charge übrig und wieder findbar deponiert. Wir hatten sogar noch eine Tüte Fliesenkleber und Fugenspachtel auffindbar und brauchbar direkt daneben.
Was wir nicht hatten (und immer noch nicht haben), ist ein Meiselaufsatz für den Bohrhammer. Es galt die gute, alte Handarbeit einzusetzen.
Getreu dem Motto: Wenn Gewalt nicht hilft, hilft mehr Gewalt. Oder: Wo rohe Kräfte sinnlos walten, sind sie oft mit unglaublicher Dummheit gepaart. Oder: Man tut Dinge, die man sonst nie getan hätte. Wir schlugen mit Hammer und Meiselersatz Schraubenzieher (mein alter Werkenlehrer rotiert sicher im Grabe, denn Erstens muss es Schraubendreher heißen und Zweitens muss man für jeden Job das richtige Werkzeug benutzen) auf die Fliesenreste – immerhin ¾ des Originals – und jede Menge hartnäckigen Fliesenkleber ein.
Etwa eine Stunde für die traurigen Reste. Fliegende Splitter, tropfender Schweiß und lahme Arme. Aber so haben wir Urlaub mal was gemeinsam unternommen.

Erfreulicherweise blieben weitere Katastrophen aus. Die Ersatzfliese klebt, verfugt ist sie auch, man sieht nichts mehr, der Handtuchhalter hängt wieder und wider Erwarten und entgegen aller Wahrscheinlichkeiten hat die Emaillierung der Wanne keinen Schaden genommen. Genauso wenig wie die nur einen Tag zuvor neu gesetzte Silikonfuge am Badewannenrand...

Ach ja, das Bild hängt übrigens…

Demnächst mehr. Hier liegt nämlich noch ein Whiteboard rum, das an die Wand muss…